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  Überwinterung von Bonsai: Outdoor Bonsai
Autor: Martin Schillings

Das Überwintern der Bonsai ist, wie oft in der gängigen Literatur nach zu lesen, eigendlich gar nicht so problematisch wie es gerade die Bonsai-Anfänger aber auch genügend der Fortgeschrittenen (!) unter uns meinen.

Alle mir bekannten "Formen" des Überwinterns haben ihre Vor- und Nachteile. So habe ich über Jahre hinweg meine Bäume ausnahmslos ( von Zimmerbonsai einmal abgesehen ) ohne Schale, eingesenkt im Garten überwintern lassen ohne einen einzigen erfrorenen Ast bzw. Baum.

In den letzten zwei Jahren habe ich einen Teil meiner Sammlung in unsere Gartenlaube gestellt. Einen anderen Teil habe ich auf dem Regal stehen lassen oder in eine "Kiste" ( das Ding ist 3m lang und ca. 1m breit! ) mit Rindenmulch abgedeckt und mit Folie vor den kalten Winden geschützt durch diese Jahreszeit gebracht. Im Folgenden gebe ich einmal stichwortartig meine(!) Erfahrungen wieder, wobei ich folgende Werte zugrunde lege:

maximale Minusgrade ( Niederrhein, NRW ): ca. -15°C selten, kurzzeitig darunter
maximale Höchsttemperatur: ca. +10 -> +15°C
Niederschlagsmengen: ca. viel zu viel
Schneehöhe ( kein Quatsch! ): letztes Jahr für ca. zwei Tage 2 - 5 cm. Danach tauts auch schon meist wieder weg ( Skifahrer kommen bei uns auf ihren Brettern nicht weit ).
Sonnenlicht: viel zu wenig für Mensch und Tier ( bei uns ist das die Jahreszeit der langen Gesichter und der Absatz an Antidepressiva in den Apotheken steigt enorm )

a) ohne Schale im Beet eingesenkt, abgedeckt mit ca. 3 - 5 cm Gartenerde

Vorteil: Feuchtigkeit die ganze Periode über an allen Stellen des Wurzelballens. Zusätzliches abdecken mit Laub oder ähnlichem unnötig.

Nachteil: bei lockerem Substrat ( und so soll es sein!! ) kommt man um ein erneutes Eintopfen im Frühjahr selten herrum. Auch festere Ballen zerfallen auf Dauer im Beet. Sowas geht natürlich irgendwo ins Geld ( Akadama ist halt gut und teuer ). Keine Winterarbeiten möglich. ( Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln ist für unsere Bäume in dieser Zeit eher tötlich )

b) mit Schale im Beet

Vorteil: kein neues Eintopfen, Arbeiten die im Winter durchführbar sind, sind machbar, wenn nicht der Boden durchgefrohren ist und aus diesem Grund den Baum einfach nicht "hergeben" will!

Das sind aber auch die einzigen Vorteile wenn, man den Baum mit der Schale wirklich in die Erde stellt.

Nachteil: Durch den in der Regel recht lehmigen Gartenboden verstopfen die Drinagelöcher der Schale, daß Regenwasser läuft nur sehr langsam oder garnicht mehr ab, es kommt zur Staunässe und dadurch zur Wurzelfäule. Wenn Feuchtigkeit ( ausgehend davon das der Baum durch Folien vor dem Regen geschützt steht! ) an den Baum kommt, dann nur von oben.

c) mit Schale unter Folientunnel, der Boden ist hart ( Betonplatten/ Holz / Palette )

Vorteil: Kein neues Eintopfen, Arbeiten die im Winter durchführbar sind, sind leicht machbar.

Nachteil: Häufigere Kontrolle der Substratfeuchte unerlässlich

Wie man einen Folientunnel baut, läßt sich in fast jedem Buch nachlesen.

d) ohne Schale im Folientunnel

Das macht, glaube ich eher wenig Sinn

e) mit Schale im Folientunnen abgedeckt mit Rindenmulch

Vorteil: Zusätzlicher ( bei uns eher unnötiger ! ) Schutz bei klirrendem Frost. Arbeiten die im Winter durchführbar sind, sind leicht machbar.

Nachteil: ( Erfahrungswert! ) Rindenmulch neigt, wenn er feucht und durch die Folie "abgedeckt" ist, zum Schimmeln.

f) mit Schale im Gewächshaus ( Kalthaus )

Vorteil: Guter Schutz ( wenn ausreichend Belüftet ), kein neues Eintopfen. Arbeiten die im Winter durchführbar sind, sind leicht machbar.

Nachteil: die Temperatur in unserem(!) Gewächshaus steigt bei Sonnenschein locker auf über +20°C an!

g) mit Schale in einem dunkeln, kalten Raum ( z.B. Keller )

Vorteil: Guter Schutz, kein neues Eintopfen. Arbeiten die im Winter durchführbar sind, sind leicht machbar.

Nachteil: Nicht geignet für Kiefern und andere "immergrüne" Bäume.

g) mit Schale in hellen, kalten Raum

Vorteil: siehe oben +(!) "immergrüne", Temperatur sollte aber deutlich unter +5°C liegen ( maximal +8°C bei Bäumen wie Dreispitzahorn / Acer palmatum Deshojo oder Seigen )

Nachteil: keine aus meiner Sicht.

Gibts noch da noch mehr Möglichkeiten ?? Egal!

Eine Sache scheint mir an dieser Stelle noch erwähnenswert:

Der Winter gehört zum Lebenszyklus einer Pflanze genauso dazu wie die anderen Jahreszeiten auch ( echt "schlau" gesprochen, was!? ). Da muß "man" halt durch ( ob mit Antidepressiva oder ohne ).

Das Beste für ein erfolgreiches Überwintern überhaupt ( egal wie ihr es nun auch bevorzugt ) ist ein GESUNDER Baum. Und um "den" zu bekommen müßt ihr die übrigen drei Jahreszeiten nutzen!

Will meinen, denkt jetzt, bzw. nach dem nächsten Sommer 2001

  • Beim Düngen daran die Stickstoffgaben rechtzeitig zu reduzieren und den Kaliumanteil zu erhöhen
  • den Neuaustrieb nicht mehr allzulange zu beschneiden ( was nachkommt wird ab Oktober bei den meisten Arten nicht mehr allzu hart)
  • Pilz und Schädlingsbefall zu minimieren
  • befallenen Pfanzen rechtzeitig vom pilzigen Laub zu befreien, die Drainagewirkung des Substrates ggf. durch Löcherstechen mit einem Stäbchen zu verbessern usw. usw.!

Generell (!) ist bei jeder Art der Überwinterung unerlässlich, die Substratfeuchte ausreichend oft zu kontrollieren. Die wenigsten Bäume/ Triebe / Äste erfrieren wirklich. Meist ist ein solches Schadensbild auf ein "Wasserversorgungsproblem" während der Winterzeit zurückzuführen. Im Gegensatz zu oft zitierten Meinungen über eine "gesteigerte" Frostempfindlichkeit des Bonsai generell, ist meine Erfahrung das kalte Frostperioden den ( gesunden! ) Baum eher abhärten!

© by Yamadori-Bonsai.de (Alle Rechte vorbehalten) - Letzte Änderung: 05.03.2004 20:00