Home / Diskussionsforum / Shop
Site Map
Allgemein / Arboretum / Ausstellungen / Galerie / Gestaltung / Japan
Japanische Gärten / Pflege / Schalen / Suiseki / Wir über uns
Home - Gestaltung - Bonsaigestaltungen - Juniperus pfitzeriana "Old Gold"
  Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana "Old Gold": Übersicht
Juniperus pfitzeriana "Old Gold"
  - Ansicht 1
  - Ansicht 2
  - Ansicht 3
  - Astentfernung
  - Totholzgestaltung 1
  - Totholzgestaltung 2
  - Wurzelansatz
  - Die Schale
  - Haarwurzeln
  - Fertige Gestaltung
Autor: Jürgen Zaar
Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana
Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana Jürgen Zaar - Juniperus pfitzeriana

Schon sehr oft bin ich an diesem Baum achtlos vorbeigefahren. Aber auf die Idee daraus einen Bonsai zu gestalten, wäre ich bis vor ein paar Jahren nie gekommen.

Mit einem Kronendurchmesser von ca. 4 Metern stand er als großer Busch direkt neben der Straße. Doch nachdem ich gelernt hatte mit sehr großem Material umzugehen, ging ich gezielt auf die Suche nach solchem.

Obwohl es für unbeteiligte Passanten und Nicht-Bonsaiisten wohl sehr seltsam anmuten muß, wenn ein wildfremder Mensch plötzlich aus dem Auto springt und halb unter einem Strauch verschwindet, um Wurzelansatz und Stamm zu begutachten, ist dieses "Suchverhalten" inzwischen schon zur Gewohnheit geworden. Hat man dann ein geeignetes Objekt gefunden, ist es oft nicht all zu schwierig sich mit dem Besitzer zu einigen, und das Exemplar gegen eine andere Pflanze auszutauschen.

Im Frühjahr 1998 konnte ich den Wacholder nach dem Ausgraben problemlos in einen großen Kübel setzen.

Nachdem er zwei Vegetationsperioden Zeit hatte sich zu erholen, begannen im Oktober 1999 die Gestaltungsarbeiten.

Die jetzige Vorderseite (Ansicht 3) bestimmte ich nach folgenden Gesichtspunkten:

Bei der Betrachtung fiel ein sehr kräftiges und mächtig wirkendes Nebari mit einem Stammdurchmesser an der Basis von 31 cm auf. Etwas weiter oberhalb erhält der Baum durch eine starke Krümmung des Stammes nach links, zunächst etwas nach hinten, dann wieder zurück nach vorn, eine sehr schöne Dynamik.

Auch die Position der für die Gestaltung benötigten Äste im Kronenbereich sprachen für diese Seite als Vorderansicht. Im unteren Bereich des Baumes befanden sich keine Äste mit Grün am Stamm, also konnte der Baum nicht nach klassischen Gesichtspunkten gestaltet werden.

Ich begann nun mit dem Herausschneiden der nicht benötigten Äste. Dies ist der wohl schwierigste Teil der Gestaltung, weil man im voraus schon eine genaue Vorstellung haben muß, wie der fertige Baum später aussehen soll. Oftmals besteht eine Differenz zwischen der optimalen, gewünschten Position von Ästen und dem derzeitigen Ist-Wert.

Hier muß man jetzt schon weiterdenken und nach alternativen Möglichkeiten suchen, denn ein zu voreilig abgeschnittener Ast ist später eventuell nicht mehr zu ersetzen.

Vergleicht man die Bilder Ansicht 1 und Astentfernung kann man erkennen wie viel Grün der Baum verloren hat.

Der nächste Schritt war das Gestalten der Jin- und Sharipartien. Diese verleihen dem Baum seine Charakteristik. Das tote Holz wurde unter anderem mit einer speziell angefertigten Fräse bearbeitet (Bild Totholzgestaltung 1 und Totholzgestaltung 2).

Dann kam die Fleißarbeit: ...Reinigen der Rinde mit einer Messingbürste und der groben Fläche eines Schwammes. Diese Arbeit ist bei großen Bäumen sehr langwierig, jedoch lohnt sich dieser Aufwand, da durch das Entfernen der abgestorbenen Schuppen die rotbraune Farbe der Wacholderrinde richtig zur Geltung kommt.

Um mehr Transparenz und Filigranität in den Polstern zu erhalten, werden die Nadeln an den Astansätzen am verbleibenden Grün entfernt. Das Einkürzen und spätere Pinzieren von verbleibenden Trieben und Nadeln geschieht ausschließlich durch abdrehen und ziehen mit den Fingernägeln, da sie sonst an den Spitzen braun und unansehnlich werden.

Einen optischen Ausgleich zwischen Totholz und Krone herzustellen, die Dramatik von Jin und Shari, die Dynamik des Stammes und die beruhigenden und eleganten Akzente des Grünbereiches miteinander zu einer Einheit zu kombinieren, sind das Ziel der nächsten Phase der Gestaltung.

Durch den sehr mächtigen Shari auf der rechten Seite bekommt der Baum in diesem Bereich ein sehr großes optisches Gewicht. Als Ausgleich dazu versuche ich durch den Hauptast auf der Innenseite der Kurvatur den Schwerpunkt wieder zu zentralisieren.

Nach dem Drahten der Äste und dem Aufbau der einzelnen Astetagen war die Hauptarbeit geleistet. Bis zum Frühjahr 2001 hatte der Baum über ein Jahr Zeit sich von der Gestaltung zu erholen.

Zwischenzeitlich waren einige der Äste mit Birnengitterrost (Gymnosporangium) befallen.
Dies ist ein Pilz, der besonders gern diese Wacholdersorte (pfitzeriana) befällt. Ist eine Infektion einmal in der Pflanze drin, bekommt man sie jedoch nicht mehr heraus.

Überwiegend bei feuchtwarmem Wetter im Frühjahr zeigt sich an den Ästen oder am Stamm ein feuchtschwammiger Pilz mit gelb-oranger Farbe. Unternimmt man nichts, wird der Ast nicht unbedingt absterben, bildet jedoch an den betroffenen Stellen unförmige, narbige Verdickungen.

In der Vergangenheit habe ich die befallenen Äste immer entfernt ,was zwangsläufig dazu führte, dass ein fertiger Baum jeweils wieder neu überdacht und umgestaltet werden mußte, oder ich ihn frustriert dem nächsten Lagerfeuer "opferte".

Bei teilweise hervorragendem Material was so verloren ging begann ich nach Möglichkeiten zu finden, das Problem in den Griff zu bekommen.
Ich experimentierte mit verschiedenen Fungiziden und unterschiedlichen Standorten.

Seit ca 2 Jahren habe ich eine für mich akzeptable Lösung des Problems.
Es läßt sich nicht vermeiden, daß ein infizierter Baum anfängt den Schwamm auszubilden. Kontrolliert man jedoch in den gefährdeten Phasen die Pflanze regelmäßig und erkennt den Pilz in der Anfangsphase, so kann man ihn innerhalb von 1 Woche beseitigen und eine Verdickung und Vernarbung vermeiden.

Sobald ich eine betroffene Stelle entdecke, entferne ich mit dem Daumennagel den Pilz und wasche die Rinde mit einem rauhen Schwamm und einer 2% Lösung Aliette (Celaflor) ab. Dieser Bereich wird dann 5 Tage lang hintereinander mit dem gleichen Gemisch besprüht. Als Standort der Pflanze sollte ein trockener, aber gut belüfteter Platz im Freien gewählt werden.

Bisher sind auch im darauffolgenden Jahr an den Stellen, die so behandelt wurden keine Pilze mehr aufgetreten. Zu beachten ist natürlich, daß sobald man an einer erkrankten Pflanze gearbeitet hat, sowohl Hände als auch Werkzeug gut abwäscht und desinfiziert um eine Übertragung auf andere Bäume zu vermeiden.

Meiner Vorstellung nach sollte die Schale für diesen Baum oval sein und sich in ihrer Glasur das Farbspiel der rötlich-braunen Wacholderrinde wiederspiegeln. Da ich keine Schale in der entprechenden Größe und Farbe finden konnte, hatte ich sie bei Milan Klika (Tschechien) in Auftrag gegeben und anfertigen lassen.

In einem Substrat mit einem sehr hohen Anteil an Akadama und gewaschenem Bims haben sich seit dem Einpflanzen eine Vielzahl von feinen Haarwurzeln gebildet. Diese wurden vorsichtig mit einem Holzstäbchen ausgekämmt und etwas eingekürzt. Nun konnte der Wacholder aus dem Container direkt in die entsprechende Schale gepflanzt und mit Draht fixiert werden. Als Substrat verwandte ich reines Akadama, welches vorsichtig in die Zwischenräume der Wurzeln eingearbeitet wurde.

Eine ständige Kontrolle des Drahtes ist für die nächsten Monate unbedingt notwendig, da die Äste bei entsprechender Düngung sehr schnell dicker werden und die Gefahr des Einwachsens besteht.

Bis zum März 2002 wird der Draht vollständig entfernt werden.

© by Yamadori-Bonsai.de (Alle Rechte vorbehalten) - Letzte Änderung: 05.03.2004 19:59