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Home - Galerie - Jahrgang 2000 - Jürgen Zaar - Pinus parviflora (Mädchenkiefer)
  Bonsai Galerie 2000 - Jürgen Zaar: Pinus parviflora (Mädchenkiefer)
Galerie Jürgen Zaar
Pinus parviflora-Mädchenkiefer
Ausgangspflanze 1
Ausgangspflanze 2
Ausgangspflanze 3
Jingestaltung 1
Jingestaltung 2
Auftrag Jinmittel 1
Auftrag Jinmittel 2
Entfernung alter Nadeln
Die Schale
Fertige Gestaltung
Autor: Jürgen Zaar

Von der Massenware zum Solitär - Gestaltung einer Pinus parviflora (Mädchenkiefer)

Art (Lateinisch): Pinus parviflora
Art (Deutsch): Mädchenkiefer

Finder:

Jürgen Zaar

Fundjahr:

1999

Fundort:

Holländischer Großhändler (Koreaimport)

Stilrichtung:

MOYOGI - Frei aufrecht

Besitzer:

Jürgen Zaar

Gestalter:

1999-2000 Jürgen Zaar
 
Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Ausgangspflanze Seite A Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Ausgangspflanze Seite B Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Ausgangspflanze Seite C Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Jingestaltung 1 Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Jingestaltung 2
Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Auftrag des Jinmittels 1 Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Auftrag des Jinmittels 2 Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Entfernung alter Nadeln / Drahten Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Tokoname-Schale Gestalter Jürgen Zaar - Pinus parviflora Mädchenkiefer - Fertige Gestaltung

Die Pflanze stammt aus Korea und kam über einen holländischen Großhändler zum jetzigen Besitzer.

Ein Baum dieser Qualität , der immer noch, wenn auch als gutes „Rohmaterial“ angesehen werden muß, wird in Korea, Japan und anderen asiatischen Ländern in sehr hoher Stückzahl auf Feldern gezüchtet.

Mädchenkiefern  werden  in  der Regel auf eine Schwarzkiefernunterlage aufgepfropft, um ein schnelleres Wachstum und eine höhere Frostunempfindlichkeit zu gewährleisten.

Leider findet man häufig durch nicht sehr sorgfältig durchgeführte Veredelungen sehr unschöne bis katastrophale Übergänge. Die Preise für eine solche Pflanze liegen  zwischen 1500-3000 DM.

Oft findet man neben zahlreichen Ästen, die dem Gestalter einen recht großen kreativen Spielraum lassen, im unteren Bereich 1-2 sogenannte „Opferäste“ welche lediglich für das Dickenwachstum des Stammes und für ein schöneres Tachiagari (Übergang von oberflächlichen Wurzeln und Stamm) frei wachsen gelasssen werden. Gelegentlich sieht man fälschlicherweise diese  Äste, die für das Dickenwachstum bestimmt sind, als Ichi no eda ( erster Ast ) oder Sashi eda ( Hauptast ) gestaltet.

Pinus parviflora  ist eine sehr empfindliche und anspruchsvolle Pflanze. Wenige Bäume schaffen es, die ersten 10 Jahre in Europa zu überleben.

Diese Kiefernsorte liebt sehr viel Licht und Sonne. Auf Staunässe reagiert sie sehr empfindlich mit gelbwerden der Nadeln und mit Absterben einzelner Äste oder sogar der ganzen Pflanze.

Deswegen ist die Verwendung eines sehr durchlässigen Substrates von äußerster Wichtigkeit. Ich verwende in der Regel eine Mischung aus Akadama, Eifelquarz und gewaschenem Bims.

Die ursprüngliche Höhe des Baumes betrug 72 cm. Der beginnende Neuaustrieb und das satte Grün lassen auf einen guten Gesundheitszustand der Pflanze schließen. Spuren von eingewachsenem Draht waren an der gesamten Pflanze so gut wie keine zu finden. Ebenso betont die doch schon recht borkige Rinde das Alter der Kiefer.

Als der Eigentümer den Baum zu mir brachte, bat er mich, ihn noch in dieser Woche umzugestalten, um ihn am darauffolgenden Wochenende auf einer Ausstellung zu präsentieren.

Um die optimale Vorderseite zu finden, betrachten wir den Baum nun aus verschiedenen Perspektiven und suchen die Stärken und Schwächen des Materials:

Seite A (Bild 1):

Die Krone weist zwar nach der ersten Gestaltung eine Dreiecksform auf, bei genauerem Hinsehen kann man jedoch einige Fehler erkennen:

  • Die Spitze neigt sich nach hinten. Sie sollte immer leicht nach vorne geneigt sein und in Richtung Sashi-eda (Hauptast) zeigen.
  • Kein optimales Nebari (Wurzelansatz), weil der Stamm ohne deutlich erkennbare Verbreiterung in der Erde abschließt.
  • Es finden sich 2 große , deutlich sichtbare Schnittstellen jeweils im unteren und im oberen Drittel der Kiefer.
  • Die Krone ist zu unstrukturiert und in der Mitte des Baumes konkurrieren 2 etwa gleich lange und gleich starke Äste miteinander.  Es ist nicht zu erkennen, welcher von beiden Sashi-eda , also der wichtigste und kräftigste Ast sein soll.
Seite B (Bild 2) :
  • Das Tachiagari erscheint besser.
  • Auch beim Nebari finden wir eine deutliche Verbesserung.
  • Die große Schnittstelle im oberen Drittel wird aus dieser Position als weniger störend empfunden.
  • Die Spitze neigt sich nach vorn. Der Stamm weist bis zur Schnittstelle hin keine deutliche Verjüngung auf.
Seite C (Bild 3) :
  • Kein schönes Tachiagari. Man erkennt wo der Baum veredelt wurde und findet dort außerdem eine große Schnittstelle.
  • Stamm und Spitze „fliehen“ nach hinten.
  • Einer der beiden langen „Mitteläste“ befindet sich direkt frontal zum Betrachter.

Welches ist nun die Vorderseite ?

Seite B scheint die am besten geeignete Vorderseite zu sein, denn hier finden wir neben einem schönen Nebari und einer schwungvollen Bewegung im Stamm auch noch die dickeren Äste in seitlichen Positionen.

Der rechte der beiden starken Äste wird entfernt und die Schnittstelle so bearbeitet, daß sie ein natürliches Aussehen bekam (Bild 4 und Bild 5).

Um das tote Holz vor Fäulnis zu schützen, wird Jinmittel aufgetragen (Bild 6 und Bild 7).

Alte  Nadeln werden entfernt. Zum einen erhält man ein "definierteres" Aussehen, zum anderen fördern Licht und Luft den Austrieb neuer Adventivknospen und somit die Polsterbildung.

Nach dem Auswählen der für die Gestaltung notwendigen Äste, werden diese gedrahtet und positioniert. Hierbei lege ich besonderen Wert darauf, daß so wenig Draht wie möglich, aber so viel wie notwendig benutzt wird. Sauberes Drahten ist die Grundlage für eine gute Gestaltung (Bild 8).

Zu guter Letzt wird für den fertig gestalteten Baum eine passende Schale gesucht. Die Tokoname Schale, in Abbildung Nr. 9 entspricht meinen Vorstellungen. Durch ihren kompakten Wurzelballen ist das sofortige Umtopfen nach der Gestaltung kein Risiko.

Bild Nr. 10 zeigt die fertige Gestaltung.

 

© by Yamadori-Bonsai.de (Alle Rechte vorbehalten) - Letzte Änderung: 05.03.2004 19:59